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Bonität

Schufa-Score: Welche Auskunft dir zusteht und wie du sie bekommst

Die Schufa muss dir kostenlos mitteilen, welche Daten sie über dich speichert und welche Scorewerte sie an wen übermittelt hat. Ab dem 20. November 2026 kommt nach § 37a BDSG ein weiteres Recht hinzu: Auf Antrag muss die Auskunftei erklären, welche Kriterien deinen Score am stärksten beeinflussen und wie aussagekräftig er ist.

Stand: 26. Oktober 2026 Lesezeit: 7 Min. Tim Jungeblut Redaktionelle Methodik
Auf dieser Seite
  1. Was steht in der kostenlosen Schufa-Datenkopie?
  2. Was hat der BGH am 21. Oktober 2026 entschieden?
  3. Was ändert sich ab dem 20. November 2026?
  4. Wie forderst du die Auskunft Schritt für Schritt an?
  5. Was tun, wenn ein Eintrag falsch ist oder der Kredit abgelehnt wurde?

Am 21. Oktober 2026 hat der Bundesgerichtshof (BGH) in vier Verfahren entschieden, wann die Schufa erklären muss, wie ein Scorewert zustande kommt. Das Ergebnis: Ein Anspruch auf diese Erklärung besteht, wenn ein Unternehmen seine Entscheidung über einen Vertrag maßgeblich auf den Schufa-Score gestützt hat, und Verbraucher müssen das nicht lückenlos beweisen. Unabhängig davon kannst du jederzeit eine kostenlose Datenkopie anfordern. Ab dem 20. November 2026 gilt außerdem der neue § 37a BDSG, der die Schufa zu einer verständlichen Erklärung der wichtigsten Score-Kriterien verpflichtet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Datenkopie nach Art. 15 DSGVO ist kostenlos und zeigt alle gespeicherten Daten, deine Scorewerte und deren Empfänger.
  • Laut BGH (Urteile vom 21.10.2026, I ZR 227/25 bis 230/25) reicht es, wenn eine Absage zeitlich mit der Übermittlung eines Scores zusammenfällt. Dann wird vermutet, dass der Score entscheidend war.
  • Ab 20.11.2026 muss die Schufa nach § 37a Abs. 4 BDSG auf Antrag die Daten, Kriterien und deren Gewichtung nennen, die deinen Score am stärksten beeinflussen.
  • Name, Alter, Geschlecht, Anschrift, Kontobewegungen und Social-Media-Daten dürfen ab dann nicht mehr in den Score einfließen.
  • Gegenüber der Bank kannst du eine scorebasierte Entscheidung anfechten und eine Prüfung durch einen Menschen verlangen (§ 37a Abs. 5 BDSG).

Was steht in der kostenlosen Schufa-Datenkopie?

Die Datenkopie nach Art. 15 DSGVO listet alles, was die Schufa über dich gespeichert hat: Personalien, frühere Anschriften, Girokonten, Kreditkarten, laufende und erledigte Kredite, Handy- und Leasingverträge, Anfragen von Unternehmen und eventuelle Zahlungsstörungen. Sie enthält auch deine aktuellen Scorewerte und die Scores, die in den letzten zwölf Monaten an Unternehmen übermittelt wurden. Die erste Kopie ist nach Art. 15 Abs. 3 DSGVO kostenlos.

Seit dem 17. März 2026 rechnet die Schufa mit einem neuen Score. Er reicht nach Angaben der Verbraucherzentrale von 100 bis 999 Punkten, beruht auf 12 veröffentlichten Kriterien und ist für Verbraucher und Unternehmen gleich. Früher sahen Banken, Versandhändler und Mobilfunkanbieter jeweils eigene Branchenscores. Zum Start nutzten allerdings erst rund 25 Prozent der Schufa-Vertragspartner den neuen Wert. Laut Schufa rutschten etwa 8 Prozent der Verbraucher durch die Umstellung in eine schlechtere Klasse, rund 9 Prozent stiegen auf.

Die Datenkopie bestellst du über das Formular auf meineschufa.de. Sie kommt per Post, in der Regel nach einigen Tagen. Achte darauf, das kostenlose Formular zu wählen und nicht ein kostenpflichtiges Abo-Produkt der Schufa. Prüfe die Kopie auf veraltete Einträge, falsche Anschriften und Verträge, die du nicht kennst. Wie Banken den Score bei einer Kreditanfrage nutzen, erklärt der Ratgeber Bonität verbessern.

Was hat der BGH am 21. Oktober 2026 entschieden?

Der BGH hat festgelegt, wann die Schufa die Logik hinter einem Scorewert offenlegen muss: immer dann, wenn eine Entscheidung eines Unternehmens über einen Vertrag mit dir „maßgeblich von dem an ihn übermittelten Scorewert abhängt“. So steht es in der Pressemitteilung Nr. 198/2026. Grundlage sind Art. 15 Abs. 1 Buchst. h und Art. 22 Abs. 1 DSGVO in der Auslegung des Europäischen Gerichtshofs aus dem Urteil C-634/21 vom 7. Dezember 2023.

Wichtig für Betroffene ist die Beweisfrage. Mehrere Oberlandesgerichte hatten verlangt, dass Verbraucher genau nachweisen, dass die Absage am Score lag. Der BGH senkt diese Hürde: Es genügt, wenn du vorträgst, dass die Schufa einen Score an ein Unternehmen übermittelt hat und es in zeitlichem Zusammenhang damit zu einer nachteiligen Entscheidung kam. Dann besteht laut BGH eine tatsächliche Vermutung, dass der Score ausschlaggebend war.

Gewonnen haben die vier Kläger damit noch nicht. Der BGH hat die Urteile des Oberlandesgerichts Dresden aufgehoben und die Fälle zurückverwiesen, weil Feststellungen zur Beeinträchtigung der Kläger fehlten. Er stellte aber klar, dass die Antwortschreiben der Schufa aus dem Jahr 2023 die Auskunftspflicht nicht erfüllt hätten, falls ein Anspruch besteht. Für dich heißt das: Wurde dir ein Kredit, ein Mietvertrag oder ein Handyvertrag kurz nach einer Schufa-Abfrage verweigert, hast du gute Argumente für eine Erklärung des Scores.

Was ändert sich ab dem 20. November 2026?

Ab dem 20. November 2026 ersetzt § 37a BDSG die bisherige Scoring-Regel in § 31 BDSG. Eingeführt wurde die Vorschrift mit Artikel 3 des Gesetzes zur Umsetzung der EU-Verbraucherkreditrichtlinie (BGBl. 2026 I Nr. 139). Der Wortlaut von § 37a BDSG bringt zwei große Neuerungen: Bestimmte Daten sind für den Score tabu, und Auskunfteien müssen den Score auf Antrag erklären, ohne dass du erst eine Absage nachweisen musst.

PunktBis 19.11.2026Ab 20.11.2026
Daten­kopiekostenlos (Art. 15 DSGVO)weiter kostenlos
Erklärung des Scoresnur bei maß­geblicher Ent­scheidung (BGH)auf Antrag: Kriterien und Gewich­tung
Anschrift im Scoreerlaubt, aber nicht alleinverboten
Name, Alter, Geschlechtnicht geregeltverboten
Konto­bewegungennicht geregeltverboten
Prüfung durch Menschennach Art. 22 DSGVOAnfechtung bei der Bank (Abs. 5)

Nach § 37a Abs. 4 BDSG muss die Schufa dir in „klaren und einfachen“ Worten mitteilen, welche Daten und Kriterien sie genutzt hat, wie die Kriterien zueinander gewichtet sind, die den Wert am stärksten beeinflussen, wie aussagekräftig der konkrete Score ist und welche Scores sie an wen weitergegeben hat. Die Frist richtet sich nach Art. 12 Abs. 3 DSGVO, also in der Regel ein Monat. Die nötigen Informationen muss die Auskunftei ein Jahr lang speichern.

Offen ist, wie die neue Regel auf Scores wirkt, die vor dem 20. November 2026 berechnet wurden, und wie die Gerichte das Verhältnis zur BGH-Rechtsprechung sehen. Stand Oktober 2026 gibt es dazu noch keine Entscheidung.

Wie forderst du die Auskunft Schritt für Schritt an?

Für die meisten Fälle reichen zwei Schreiben: die Datenkopie und, ab dem 20. November 2026, ein Antrag nach § 37a BDSG. Beides ist formlos per Post oder E-Mail möglich.

  1. Datenkopie anfordern: Formular auf meineschufa.de ausfüllen, Ausweisdaten angeben, Antwort per Post abwarten.
  2. Kopie prüfen: Stimmen Anschrift, Konten und Kredite? Welche Unternehmen haben in den letzten zwölf Monaten einen Score erhalten?
  3. Nach einer Absage Datum notieren: Liegt die Abfrage des Unternehmens kurz vor der Ablehnung, spricht nach dem BGH eine Vermutung für den Score als Grund.
  4. Ab 20.11.2026 Erklärung verlangen, etwa so: „Ich beantrage nach § 37a Abs. 4 BDSG Auskunft über die für meinen Scorewert genutzten Daten und Kriterien, deren Gewichtung, die Aussagekraft des Wertes sowie die erstellten Scorewerte und ihre Empfänger.“
  5. Frist setzen: Kommt nach einem Monat keine ausreichende Antwort, kannst du dich bei der zuständigen Datenschutzaufsicht beschweren. Für die Schufa mit Sitz in Wiesbaden ist das der Hessische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit.

Hebe Antwortschreiben und Sendebelege auf. Sie sind dein Nachweis, falls du später eine Bank, einen Vermieter oder ein Gericht überzeugen musst.

Was tun, wenn ein Eintrag falsch ist oder der Kredit abgelehnt wurde?

Einen falschen Eintrag muss die Schufa nach Art. 16 DSGVO berichtigen. Schreibe der Schufa, welcher Eintrag nicht stimmt, und lege Belege bei, etwa die Bestätigung des Gläubigers, dass eine Forderung bezahlt oder nie fällig war. Parallel kannst du das meldende Unternehmen auffordern, die Meldung zu korrigieren.

Ab dem 20. November 2026 grenzt § 37a Abs. 3 BDSG außerdem ein, welche offenen Forderungen überhaupt in den Score eingehen dürfen. Dazu zählen titulierte oder ausdrücklich anerkannte Forderungen und solche, bei denen du nach Fälligkeit mindestens zweimal schriftlich gemahnt wurdest, die erste Mahnung mindestens vier Wochen zurückliegt, du vorher auf die mögliche Schufa-Meldung hingewiesen wurdest und die Forderung nicht bestritten hast. Bestreitest du eine Forderung, kann sie über diesen Mahnweg nicht in den Score eingehen. Anders ist es nur, wenn ein Urteil, ein Vollstreckungstitel oder eine Feststellung im Insolvenzverfahren vorliegt.

Hat dir eine Bank einen Kredit wegen des Scores verweigert, kannst du die Entscheidung nach § 37a Abs. 5 BDSG anfechten, deinen Standpunkt darlegen und eine Entscheidung durch einen Menschen verlangen. Was du nach einer Absage sonst tun kannst, beschreibt der Ratgeber Kredit abgelehnt. Welche Pflichten Banken bei der Kreditwürdigkeitsprüfung ab dem Stichtag haben, steht im Überblick Neue Kreditregeln ab 20. November 2026. Bevor du neu anfragst, hilft ein Kreditvergleich mit Konditionsanfrage, denn Konditionsanfragen sehen andere Banken nicht und sie verschlechtern den Score nicht.

Häufige Fragen

Ist die Schufa-Auskunft kostenlos?

Ja. Die Datenkopie nach Art. 15 DSGVO ist kostenlos und kommt per Post. Kostenpflichtig sind nur Zusatzprodukte der Schufa, etwa die Bonitätsauskunft für Vermieter oder Abo-Modelle. Die kostenlose Kopie enthält ebenfalls deine aktuellen Scorewerte.

Was hat der BGH am 21.10.2026 zur Schufa entschieden?

Der BGH hat entschieden, dass die Schufa die Berechnung eines Scores erklären muss, wenn ein Unternehmen eine Vertragsentscheidung maßgeblich auf diesen Score gestützt hat. Dafür genügt ein zeitlicher Zusammenhang zwischen Score-Übermittlung und Absage. Die vier Fälle (I ZR 227/25 bis 230/25) gehen zurück an das Oberlandesgericht Dresden.

Was bringt § 37a BDSG ab dem 20. November 2026?

Auskunfteien müssen auf Antrag die genutzten Daten und Kriterien, deren Gewichtung, die Aussagekraft des Scores sowie Empfänger der Scorewerte nennen. Name, Alter, Geschlecht, Anschrift, Kontobewegungen und Daten aus sozialen Netzwerken dürfen nicht mehr in den Score einfließen, und Minderjährige dürfen keinen Score erhalten.

Wie lange hat die Schufa Zeit für die Antwort?

Die Frist richtet sich nach Art. 12 Abs. 3 DSGVO: unverzüglich, spätestens innerhalb eines Monats. In komplexen Fällen darf die Frist um zwei Monate verlängert werden, das muss die Schufa dir aber innerhalb des ersten Monats mitteilen und begründen.

Verschlechtert eine Selbstauskunft meinen Schufa-Score?

Nein. Die eigene Datenkopie ist eine Anfrage in eigener Sache und hat keinen Einfluss auf den Score. Auch Konditionsanfragen bei Banken wirken sich nicht aus, anders als Anfragen zur Kreditvergabe.

Was mache ich, wenn die Schufa nicht oder unzureichend antwortet?

Setze eine kurze Nachfrist und wende dich danach an die Datenschutzaufsicht, für die Schufa ist das der Hessische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit. Bei einem konkreten Schaden, etwa einem verweigerten Kredit, kann eine Verbraucherzentrale oder ein Anwalt die Erfolgsaussichten einer Klage einschätzen.

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